Welpe beißt in Hände und Füße: Was wirklich gegen die spitzen Welpenzähne hilft

Welpe beißt in Hände und Füße – Beißhemmung und Welpenerziehung gegen spitze Welpenzähne

Elf frische Kratzer habe ich neulich abends an einem einzigen Unterarm gezählt, bevor ich überhaupt dazu kam, die Wohnungstür hinter mir abzuschließen. Mein Welpe wartete schon auf der Fußmatte, sprang an meinem Bein hoch und hatte binnen Sekunden meine Hand im Maul. Wer gerade mit einem Tierschutz-Mischling und spitzen Welpenzähnen kämpft, kennt dieses Gefühl: die Beißhemmung ist noch nicht da, die Welpenerziehung fühlt sich an wie ein zweites Studium neben dem echten, und der Puppy Blues sitzt einem im Nacken wie eine zweite Deadline.

Mein Freundeskreis hat auf sowas natürlich sofort eine Antwort parat, meistens irgendeine Dominanz-Theorie aus dem Internet, die mit echter Welpenerziehung ungefähr so viel zu tun hat wie ein Reel mit einer Bachelorarbeit. Also lieber der Reihe nach die Fragen, die mir in den letzten Wochen am häufigsten begegnet sind – aus dem Chat meines Online Welpenkurs, von Kommilitoninnen, von der Nachbarin im Treppenhaus.

Beißhemmung: eine Fähigkeit, die dein Welpe erst noch lernen muss

Ein Welpe kommt nicht auf die Welt und weiß, wie zart menschliche Haut im Vergleich zum dichten Fell seiner Wurfgeschwister ist. Genau das ist der Kern von Beißhemmung: Er muss erst lernen, wie fest er zubeißen darf, bevor es weh tut – bei uns Menschen genauso wie früher im Wurf. Solange dieses Gefühl für die eigene Beißkraft fehlt, landen die kleinen scharfen Zähne genau dort, wo sich gerade etwas bewegt: an Händen, an Hosensäumen, an nackten Füßen.

Das ist kein Charakterfehler.

Wenn dein Welpe sich also gerade eher wie ein kleiner Hai anfühlt als wie ein Kuscheltier: Das bedeutet nicht, dass bei euch grundsätzlich etwas schiefläuft. Es bedeutet nur, dass diese eine Fähigkeit noch fehlt.

Hilft lautes „Nein" beim Kauen wirklich?

Wochenlang habe ich jedes Mal laut „Nein" gerufen, sobald er beim Kauen an meiner Hand hängenblieb. Bei uns hat es schlicht nichts gebracht – im Gegenteil, mein lautes Nein hat ihn eher aufgedreht, als würde ich mit ihm ein neues Spiel starten. Erst als ich aufgehört habe zu rufen und stattdessen komplett erstarrt bin, sobald seine Zähne zu fest wurden, hat sich überhaupt etwas verändert.

Einfrieren statt schreien: was bei uns tatsächlich wirkt

Zur Salzsäule werden, das war am Ende die einzige Reaktion, auf die er zuverlässig reagiert hat. Keine Bewegung, kein Blickkontakt, kein Ton – und wenn das nicht reichte, bin ich wortlos aufgestanden und für dreißig Sekunden aus dem Zimmer gegangen. Tür zu, Spiel vorbei, ich weg. Für einen Welpen, der gerade mitten im Trubel steckt, ist genau das die größte Konsequenz überhaupt.

GANZ SO SCHNELL, wie es in jedem zweiten Ratgeber klingt, ging das bei uns allerdings nicht. Erst als dazukam, dass er überhaupt lernen musste, Reize auszuhalten, statt sofort auf jede Bewegung zu reagieren, hat sich wirklich etwas bewegt.

Ist mein Welpe aggressiv, wenn er ständig zwickt?

Nein, ist er nicht – auch wenn genau das die häufigste Sorge ist, die mir gerade unterwegs begegnet. Aggression sieht bei einem vierzehn Wochen alten Hund völlig anders aus als das Gezwicke, das gerade an meinen Ärmeln hängt. Was hier passiert, ist Übermut, Zahnwechsel-Frust und der Versuch, die Welt mit dem Maul zu erkunden, weil Welpen nun mal so sind.

Wenn die Zähne wegen Übermüdung kommen

Fast immer, wenn er abends besonders wild in meine Hände beißt, ist er in Wahrheit einfach nur fertig. Auf den schmalen Stufen, die von der Küche runter zur Abstellkammer führen – genau dort, wo ich damals, kurz nachdem er bei mir eingezogen ist, selbst schon gesessen und geheult habe – setze ich mich inzwischen kurz mit ihm hin, sobald ich dieses Übermüdungs-Beißen erkenne. Sein Gewicht auf meinem Oberschenkel wird dann spürbar schwerer, bis er einfach wegsackt und einschläft. Wie man einen Welpen insgesamt besser zur Ruhe kommen lässt, ist nochmal ein eigenes Thema für sich – hier zählt erstmal nur: müde Welpen beißen härter, und Schlaf schlägt jedes Training.

Beißt er auch beim Spaziergang oder an der Leine?

Ja, und zwar besonders dort, wo viel los ist. Auf dem Völkerschlachtdenkmal-Gelände, wo ich mit ihm inzwischen fast täglich unterwegs bin, schnappt er vor allem dann nach der Leine oder nach meinem Hosenbein, wenn um uns herum zu viele Reize gleichzeitig ankommen – andere Hunde, Fahrradklingeln, Kinder, die an ihm vorbeirennen. Das ist nebenbei auch eine Übung in Impulskontrolle, für ihn genauso wie für mich, und ich merke immer öfter an seiner Körpersprache – Ohren, Schwanzhaltung, wie angespannt er läuft – wann der nächste Zwick-Anfall kurz bevorsteht, bevor er überhaupt passiert.

Tamara Rüdiger, eine Kursteilnehmerin aus dem Chat meines Online-Welpenkurses, schreibt mir fast täglich irgendwann zwischen zehn und elf Uhr abends, dass ihr Pudelmix inzwischen kaum noch zwickt – sie ist mit ihrer Eingewöhnung ein gutes Stück weiter als ich, und trotzdem beruhigt es mich jedes Mal, wenn sie schreibt, dass auch bei ihr nicht alles glatt gelaufen ist. Meine Mitbewohnerin Nele Zacharias dagegen kommentiert das Ganze grundsätzlich nur schriftlich: Sie schläft wahnsinnig leicht, und wenn der Welpe nachts wieder jault oder tobt, klebt am nächsten Morgen ein Post-it an der Badtür statt eines Gesprächs.

Nebenbei laufen ohnehin noch ein paar andere Baustellen: ob er irgendwann nachts komplett durchschläft, ob die Stubenreinheit endlich sitzt, wie ich ihn schrittweise an Geräusche wie den Staubsauger gewöhne, wann sein Fenster für neue Sozialkontakte sich langsam schließt, und wie ich es hinkriege, ihn stressfrei allein zu Hause zu lassen, wenn ich mal wieder in die Uni muss. Jedes dieser Themen würde für sich schon einen eigenen Abend füllen.

In meinem Tagesablauf mit 14 Wochen ist inzwischen für jede dieser Ruhephasen ein fester Platz reserviert, und genau das hat das Beißen insgesamt spürbar seltener gemacht, nicht ein einzelner Trick. Wer ganz am Anfang steht, findet in meinen Erziehungsgrundlagen die Basis, auf der das hier alles aufbaut – inklusive des richtigen Timings beim Belohnen, ohne das nichts von dem oben wirklich greift.

Neulich abends ist er mit einer leeren Chipstüte im Maul quer durchs Wohnzimmer gerast, hat sie triumphierend geschüttelt und mich dabei so schief angeschaut, dass ich nicht heulen musste, sondern einfach nur lachen konnte. Genau darum geht es die ganze Zeit: nicht darum, dass die spitzen Zähne von einem Tag auf den anderen verschwinden, sondern darum, dass die Momente dazwischen langsam leichter werden.