
Die Fernbedienung vom Smart-TV liegt in drei Teilen auf dem Dielenboden, Rückseite und Batterien fein säuberlich verstreut. Mein Tierschutzhund-Welpe sitzt daneben, den Kopf schief gelegt, als hätte er mit der Sache rein gar nichts zu tun. Kauartikel um Kauartikel hatte ich ihm in der Woche davor hingehalten, er hat sie alle zerlegt und sich danach trotzdem die Fernbedienung geholt. Keiner davon hat ihn von irgendetwas abgehalten.
Kurze Offenlegung vorab: Dieser Text enthält Affiliate-Links zu Online-Welpenkursen, die ich mir selbst gekauft habe, als bei mir gar nichts mehr ging. Bucht ihr darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für euch ändert sich am Preis nichts. Was hier steht, sind meine ganz eigenen Welpenkurs Erfahrungen – nur das, was ich wirklich durchgezogen habe, keine bezahlte Meinung zu Kursen, die ich nie gesehen habe.
Puppy Blues und die Wahrheit über diese Woche
Meine Freundinnen finden ihn süß, mehr nicht. Wenn ich abends erzähle, dass ich seit Tagen keine drei Stunden am Stück geschlafen habe, kommt meistens nur ein Lachen zurück oder ein "Stell dich nicht so an, das ist doch nur ein Hund." Diesen Puppy Blues versteht in meinem Freundeskreis eigentlich nur Svenja Dörner richtig, eine Studienfreundin, die selbst einen Border-Collie-Mix hat. Neulich habe ich ihr nachts eine Sprachnachricht geschickt, halb heulend, halb wütend. Zehn Minuten später kamen von ihr drei Links zu irgendwelchen Foren-Threads zurück, bevor sie auch nur gefragt hat, wie es mir eigentlich geht. Typisch Svenja: erst googeln, dann zuhören.
Nachts wirft nur das Handydisplay einen bläulichen Schein auf die Arbeitsplatte in der Küche, wenn wieder der nächste Fütterungsalarm losgeht.
Stubenrein ist er noch lange nicht. Gerade in der Prüfungsphase, wenn ich eigentlich für ein Seminar lesen sollte, hat er zweimal mitten in der Nacht auf mein Bett gepinkelt, und das kalte, klamme Gefühl an den Beinen im Dunkeln gehört zu den Momenten, die ich am wenigsten vermissen werde, wenn das vorbei ist. Zwischen zwei Kapiteln einer Hausarbeit nebenbei einen Welpen zu erziehen, ist ungefähr so gut vereinbar, wie es sich anhört: gar nicht.

Warum ich keine Präsenz-Hundeschule wollte
Eine richtige Hundeschule vor Ort habe ich mir am Anfang ernsthaft überlegt. Aber mit einem Welpen, der bei jedem raschelnden Blatt ausrastet, überhaupt erst in die Bahn zu kommen, kostet mehr Nerven, als ich morgens übrig habe. Die Vorstellung, vor einer Gruppe fremder Menschen zu stehen, während er gerade die Schnürsenkel der Trainerin für sich entdeckt, hat mir schon beim Gedanken die Energie geraubt. Wochen vorher hatte ich mir wenigstens noch genau überlegt, was wir für die Welpen Erstausstattung als Studentin wirklich brauchen, danach war meine Planungsenergie ziemlich aufgebraucht.
Gebraucht habe ich etwas, das zu meinem WG-Alltag zwischen Seminaren und Spätschicht in der Bibliothek passt. Etwas, das ich abends um elf noch abrufen kann, wenn er seine wilden 5 Minuten hat und ich kurz überlege, ob ich beim Vermieter Selbstanzeige erstatten soll. Deswegen ist eine Online Hundeschule für mich am Ende die einzig sinnvolle Option gewesen, Lernen im Schlafanzug, ohne dass jemand zusieht, wie chaotisch das bei uns gerade läuft.

Mein Rettungsanker: Lass das Glück einziehen
Nach einer durchwachten Nacht voller Forenbeiträge bin ich bei Mirjam Cordt gelandet. Ihr Kurs Lass das Glück einziehen war für mein Studibudget ehrlich eine ordentliche Hausnummer, aber an dem Punkt war mir das ziemlich egal, ich wollte einfach, dass das Chaos aufhört. Was mich sofort gepackt hat: Sie redet nicht nur über Kommandos, sondern über die Gefühle, die so ein Einzug aus dem Tierschutz auslöst, und begleitet einen Schritt für Schritt durch genau diese ersten Wochen.
Beim richtigen Timing fürs Lob hat mir der Kurs ehrlich mehr gebracht als jedes Erziehungsbuch vorher, wann genau das Leckerli kommt, macht offenbar einen riesigen Unterschied, den ich vorher komplett unterschätzt habe. Auch beim Thema, den Welpen zur Ruhe kommen zu lassen, während ich für meine Seminare lesen muss, hat sich bei mir richtig etwas verschoben. Früher dachte ich, ich müsste ihn rund um die Uhr bespaßen, damit er nicht bellt, in Wahrheit habe ich ihn damit nur noch mehr aufgedreht.
Was mir weniger gefallen hat
Der Kurs ist riesig, so viel vorweg. Es gibt so viele Module, dass man sich am Anfang leicht verzettelt. Wenn gerade akut das Problem brennt, dass der Welpe in Hände und Füße beißt, will niemand erst drei Videos über die allgemeine Philosophie der Hundehaltung schauen, da braucht man Soforthilfe, keine Grundsatzdiskussion. Alles vom Boden fressen ist bei uns außerdem immer noch Tagesprogramm, dafür brauchte ich am Ende ein eigenes kleines Modul zum Nachschauen.
Wer sich einmal durchgebissen hat, bekommt aber eine Struktur, die mir in meinem Alltag komplett gefehlt hat.
Was ich mir sonst noch angeschaut habe
Weil ich als Lehramtsstudentin natürlich alles vergleichen muss, habe ich mir über die Wochen noch ein paar andere Optionen angesehen. Manchmal passt einfach ein anderer Blickwinkel besser, oder das Budget gibt das große Paket gerade nicht her.
| Kurs | Mein Eindruck | Preis-Check |
|---|---|---|
| Lass das Glück einziehen | Der emotionale Rettungsring für Tierschutz-Neulinge. | Obere Preisklasse |
| Traumhundgenerator | Super Struktur durch tägliche E-Mails über 12 Wochen. | Mittelklasse |
| Grundkurs Ein neuer Hund | Sehr entspanntes Tempo, perfekt für sanfte Gemüter. | Fairer Preis |
| Online Hundeschule Welpenkurs | Massig Material (57 Lektionen!) zum Nachschlagen. | Budget-Tipp |
Besonders der Traumhundgenerator hat mich überrascht. Er läuft schon seit über 12 Jahren, und genau das merkt man den täglichen E-Mails an. Sie sind wie eine kleine Erinnerung: einmal kurz durchatmen, heute üben wir nur dieses eine Ding. Für den Lernstress zwischendurch war das eine echte Entlastung. Wer eher klare Ansagen braucht und sich nicht durch fünfzig Videos klicken will, findet hier eine solide Alternative.
Reicht ein Bildschirm wirklich?
Ein Online-Kurs nimmt einem die Drecksarbeit nicht ab, so ehrlich muss man sein. Niemand steht neben einem und sagt in Echtzeit: Nimm die Hand weg, er fixiert gerade deine Socke. Man muss sich selbst disziplinieren, und an manchen Abenden habe ich die Videos an meinem Schreibtisch laufen lassen, genau unter der Ecke, wo seit Monaten ein Stück Stuckdecke abblättert, während ich eigentlich an einer Hausarbeit sitzen sollte, ohne danach irgendetwas umzusetzen.
Richtig tief gesunken bin ich, als ich versucht habe, im Mariannenpark Gohlis den Rückruf zu üben, während irgendwo hinter uns eine Gruppe gegrillt hat. Mein Wirbelwind hat mich in dem Moment komplett ignoriert, ich stand da wie eine Statistin in meinem eigenen Nachmittag. Auch Jana, die im Park eigentlich jeden Hund und jeden Besitzer beim Vornamen kennt, hat nur mit dem Kopf geschüttelt, während ihr alter Retriever gelangweilt danebenstand. Das Training aus dem Welpe Rückruf Training hat mir immerhin die Werkzeuge gegeben, um beim nächsten Versuch ruhiger zu bleiben.
Nicht jede Methode passt eins zu eins auf jeden Hund, das musste ich auch noch lernen. Sein Verhalten wirklich zu lesen, bevor er reagiert und nicht erst danach, übe ich selbst gerade erst richtig. Vorm Staubsauger duckt er sich immer noch weg, sobald ich ihn nur aus der Kammer ziehe, das kommt also auch noch auf die Liste. Café- und Baumarktbesuche baue ich inzwischen bewusst ein, auch wenn er dort noch ziemlich schüchtern wirkt. Alleinebleiben proben wir nur in kleinsten Trippelschritten, und an ein richtiges Durchschlaf-Training haben wir uns beide noch gar nicht gewagt.
Fünf Schritte ohne Ziehen
Wir sind inzwischen in Woche fünf. Heute Abend ist er fünf Schritte direkt neben mir an der Leine gelaufen, ohne dass sie sich auch nur einmal gespannt hat.
Kein Ziehen, kein Ablenken durch die nächste Blattkante, einfach nur nebeneinander laufen.
Der zerlegten Fernbedienung von vorhin war das trotzdem egal, die war real, keine Übertreibung fürs Storytelling. Jeden Kauartikel, den ich ihm in der Woche davor hingehalten hatte, hat er kaputtbekommen und sich danach trotzdem an Dinge gemacht, die nicht für ihn gedacht sind. Kauartikel gegen zerlegte Fernbedienungen einzutauschen, hat bei uns schlicht nicht funktioniert, das übe ich jetzt anders, mit mehr Aufsicht statt mit mehr Spielzeug.
Was ich aus alldem mitnehme: Ein einzelner Fortschritt bedeutet nicht, dass der Rest auch schon klappt, aber er reicht, um weiterzumachen, wenn man ihn wirklich wahrnimmt statt ihn im Alltagschaos untergehen zu lassen.
Sucht euch Unterstützung, egal ob es der Kurs von Mirjam Cordt für die emotionale Seite ist oder der Welpenkurs der Online Hundeschule für die harten Fakten zum Nachschlagen. Einen Versuch ist es wert, bevor die nächste Fernbedienung dran glauben muss.
Und jetzt muss ich los, ich glaube, er hat gerade meinen Hausschuh entdeckt. Diesmal erwische ich ihn, bevor das erste Loch drin ist.