Welpe macht nicht draußen: Tipps wenn die Stubenreinheit zur Geduldsprobe wird

Welpe macht nicht draußen: Tipps wenn die Stubenreinheit zur Geduldsprobe wird

Nasser Fleck, mitten im Flur, keine zwei Meter von der Wohnungstür entfernt. Ich war gerade mal drei Minuten oben, hatte die Schuhe noch nicht mal ausgezogen. Stubenreinheit klingt in der Theorie so simpel: raus, warten, loben, fertig. In der Praxis ist sie der Teil der Welpenerziehung, zu dem ich die meisten Nachrichten bekomme, meistens irgendwo zwischen einer Frage zum Puppy Blues und dem nächsten Kapitel in meinem Online-Welpenkurs. Deshalb sammle ich hier mal, was mich in den letzten Wochen am häufigsten gefragt wurde – zwischen Uni-Seminaren, Nieselregen und ziemlich vielen nassen Socken.

Warum klappt die Stubenreinheit draußen einfach nicht?

Der Klassiker: Ihr steht ewig draußen, es passiert nichts, ihr geht rein, und ZACK – Pfütze. Meistens liegt das schlicht daran, dass draußen für ihn viel zu spannend ist. Ein fremder Hund am Ende der Straße, ein Blatt, das im Wind tanzt, eine weggeworfene Papiertüte, sein Kopf ist komplett woanders. Er merkt gar nicht, dass sein Bauch drückt, weil gerade wichtigere Dinge passieren. Zuhause, in der ruhigen Wohnung, fällt die ganze Aufregung von ihm ab. Und genau dann, wenn er sich entspannt, passiert es.

Am Mariannenpark Gohlis lernst du das schnell. Dort laufen gefühlt alle Hunde der Umgebung ihre Runden, und mein Kleiner findet jede einzelne Duftspur spannender als sein eigenes Geschäft. Wir haben Wochen gebraucht, bis ich kapiert habe: Je aufregender der Ort, desto unwahrscheinlicher, dass dort tatsächlich was passiert.

Nahaufnahme einer frischen Pfütze auf Holzboden nach einem Stubenreinheit-Missgeschick des Welpen.

Ist es normal, dass er drinnen weitermacht, kaum dass wir wieder oben sind?

Ja, und zwar öfter, als mir lieb ist. Es liegt nicht an Trotz oder daran, dass er mich ärgern will. Die Kontrolle über den Schließmuskel ist bei einem so jungen Welpen einfach noch nicht zuverlässig da, und solange draußen alles kribbelt, spürt er die volle Blase kaum. Erst wenn wir zurück in der ruhigen Wohnung sind und sich sein Cortisolspiegel, oder was auch immer da gerade durch seinen kleinen Körper schießt, wieder beruhigt, merkt er: ah, jetzt. Und dann geht's eben auf dem Teppich los, keine zwei Minuten nach der Tür.

Schimpfen bringt an dieser Stelle nichts. Er versteht die Strafe im Nachhinein sowieso nicht, egal wie streng ich gucke. Wegwischen, lüften, weiter im Programm.

Zitrusspray, Geduld, viele nasse Socken: Was bei uns nicht funktioniert hat

Eine Sache, die ich richtig in den Sand gesetzt habe: Ich habe Zitrusspray aufs Sofa gesprüht, weil irgendwo stand, Hunde würden den Geruch hassen. Meiner fand's offenbar lecker. Er hat kurz dran geschnuppert, überlegt – und dann trotzdem genau an der Stelle weitergemacht, an der er vorher schon mal war. Ein Spray, das mein Sofa nach Limonade riechen lässt und rein gar nichts verändert – so ungefähr fühlt sich diese ganze Phase manchmal an.

Was tatsächlich einen Unterschied gemacht hat: ein Enzymreiniger direkt nach dem Aufwischen, statt irgendeinem Allzweckmittel aus dem Supermarktregal. Warum genau, will ich hier gar nicht auswalzen – aber für seine Nase war der Unterschied offenbar spürbar, denn dieselbe Stelle wurde danach seltener zum Wiederholungstäter.

Enzymreiniger und Küchenrolle auf der Küchentheke als Hilfsmittel bei Stubenreinheit-Rückfällen.

Meine beste Freundin geht in der Zeit, in der ich draußen im Regen auf ein Wunder warte, seelenruhig in der Boulderhalle klettern. Sie hat mich neulich gefragt, ob es nicht irgendeine Abkürzung gibt. Gibt es nicht. Es gibt nur Wiederholung, bis der Groschen fällt.

Wie lange soll ich eigentlich draußen warten, bis was passiert?

Länger, als du denkst, und stinklangweilig. Ich habe mir einen festen Fleck im Mariannenpark Gohlis gesucht, immer denselben, ohne viel Ablenkung drumherum. Kein Spiel, keine Schnüffeltour, kein Gequatsche mit anderen Hundehaltern – wir stehen einfach da. Fünf Minuten, manchmal zehn. Sobald etwas passiert, wird gefeiert wie nach einer bestandenen Prüfung. Sobald nichts passiert, gehen wir rein und probieren es später wieder. Klingt öde, ist es auch. Funktioniert trotzdem zuverlässiger als alles andere, was ich bisher ausprobiert habe.

Nachts durchhalten lernen

Drei Minuten, nachdem das Licht aus ist, kommt zuverlässig ein leises Wimmern aus der Ecke, in der seine Box steht. Am Anfang bin ich jedes Mal hochgeschossen, aus Angst, es wäre ein Notfall. Meistens war es das nicht – er wollte einfach nur nicht allein sein. Manchmal eben doch, und genau das macht die Nacht so anstrengend: Du musst jedes Mal neu einschätzen, ob das gerade Langeweile, Panik oder eine volle Blase ist.

Oft hängt das nachts auch damit zusammen, dass der Welpe nicht in seinem eigenen Bett schläft und deshalb sowieso unruhiger bleibt – dann kommt zur vollen Blase noch dazu, dass er gar nicht richtig zur Ruhe findet. Ich bringe ihn seitdem kurz vorm Schlafengehen noch einmal raus, ganz ohne Aufregung, ganz ohne Licht, nur damit die Chance kleiner wird, dass um Mitternacht doch noch was passiert.

Was uns in der Welpenerziehung nebenbei noch alles beschäftigt

Die Pfützen sind bei Weitem nicht unser einziges Thema. Er schläft nachts noch lange nicht zuverlässig durch, er knabbert an meinen Fingern rum, sobald er müde wird, und die Panik, wenn ich ihn auch nur für zehn Minuten allein lasse, ist eine eigene Baustelle. Dazu kommt, dass ich ihn gerade in möglichst vielen unterschiedlichen Situationen mitnehmen soll, solange das Zeitfenster dafür offen ist, dass er als Tierschutzwelpe seine eigene Körpersprache und die von anderen Hunden erst noch lesen lernen muss, dass sein Alles-vom-Boden-Fressen-Reflex dringend ein Abbruchsignal braucht, das wir beide noch üben, dass er vorm Staubsauger noch immer Reißaus nimmt, und dass er einfach nicht zur Ruhe kommt, wenn ich am Schreibtisch für die Uni sitzen will. Der Puppy Blues, von dem hier schon oft die Rede war, hört davon nicht auf, er wird nur, Stück für Stück, ein bisschen erträglicher.

Dazu kommt der Trubel in der Stadt selbst: Zwischen der Gewöhnung an die Straßenbahn und allem anderen, was gerade auf ihn einprasselt, ist oft schlicht zu viel gleichzeitig los – und dann klappt's drinnen wie draußen schlechter.

Wird das irgendwann leichter?

Ja. Nach jetzt einem Jahr mit Hund merke ich das öfter, als ich erwartet hätte – neulich lief er fünf Schritte neben mir an der Leine, ohne auch nur einmal zu ziehen, und das war für mich fast ein größerer Moment als die letzte trockene Nacht. Fortschritt zeigt sich eben nicht nur an der einen Sache, wegen der du gerade verzweifelst.

Der eine Tipp, der wirklich zählt

Wenn du nur eine Sache aus alldem mitnimmst: Das Timing beim Loben entscheidet mehr als fast alles andere. Nicht wenn ihr wieder oben seid, nicht zwei Sekunden später – genau in dem Moment, in dem es passiert, mitten in der Pfütze quasi. Ob Bett, Nacht oder Teppich: Am Ende ist es immer eine andere Version desselben Problems. Er muss lernen, wo und wann er loslassen darf, und das lernt er nur über den Moment selbst, nicht über das, was danach kommt.