
Vier Kilo. Mehr wiegt der kleine Tierschutz-Welpe nicht, der mich seit Wochen um den Schlaf bringt. Vier Kilo Fell und Dickkopf, die jede Nacht aufs Neue entscheiden, dass meine Matratze die bessere Adresse ist als sein eigenes Körbchen. Am Anfang dachte ich, Welpenerziehung heißt vor allem Sitz und Platz üben. Inzwischen weiß ich: Die eigentliche Nachtschicht ist die Körbchen-Gewöhnung. ER LIEGT SCHON WIEDER MITTEN IN DER NACHT AUF MEINEM KOPFKISSEN, und ich frage mich zum gefühlt hundertsten Mal, was ich falsch mache.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links zu Online-Kursen, die ich selbst gerade durcharbeite, um mit dem Chaos halbwegs klarzukommen. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe hier wirklich nur über das, was ich selbst ausprobiere.
Warum landet der Welpe nachts immer wieder in meinem Bett?
Die ehrliche Antwort: Nähe und Geruch schlagen jedes noch so teure Körbchen. Ein Welpe, der gerade erst aus dem Tierschutz zu dir gezogen ist, kennt weder deine Wohnung noch dich richtig. Dein Bett riecht nach dir, ist warm und genau da, wo du bist — das Körbchen ist erstmal nur ein leerer Korb in der Ecke, der nach gar nichts riecht und niemanden interessiert.
Ein Zeichen hat mir geholfen, das überhaupt zu verstehen: Sobald das Körbchen näher an mein Bett gerückt ist, wurde er ruhiger. Erst als klar war, dass er trotzdem in meiner Nähe bleiben darf, hat sich bei uns etwas bewegt. Das Körbchen quer durchs Zimmer zu verbannen kam für den Anfang einfach zu früh.

Körbchen-Training in der kleinen Wohnung
Was bei uns wirklich funktioniert hat, war eine Mischung aus mehreren kleinen Dingen gleichzeitig, nicht ein einziger Trick. Ein altes, ungewaschenes T-Shirt von mir im Körbchen hat ihn spürbar beruhigt — er hat die Schnauze reingedrückt und war für ein paar Minuten still. Jede Mahlzeit gab es nur noch dort, sodass der Ort langsam zum Restaurant wurde statt zur Strafbank. Wenn er trotzdem wieder aufs Bett gesprungen ist, habe ich ihn wortlos und ruhig zurückgetragen, jedes Mal, auch wenn ich innerlich am Rand war. Seine Kauartikel gab es außerdem ausschließlich im Körbchen, weil Kauen ihn merklich runterfährt.

Für diesen Teil, in dem es um Sicherheit vermitteln statt reinen Gehorsam abfragen geht, hat mir besonders der Kurs Lass das Glück einziehen weitergeholfen. Es geht darin weniger um Kommandos und mehr darum, wie du deinem Welpen zeigst, dass ein Ort sicher ist, ohne Druck aufzubauen.
Meine gescheiterte Nacht in der abgedunkelten Küche
Bevor ich das alles kapiert hatte, habe ich etwas ausprobiert, das ich niemandem empfehlen würde: Ich habe ihn nachts allein in die abgedunkelte Küche gesperrt, in der Hoffnung, er beruhigt sich dort schneller als neben meinem Bett. Er hat eine Stunde am Stück durchgeheult. Nicht leiser werdend, sondern lauter. Irgendwann bin ich mit dem Handy in der Hand rausgeschlichen, nur das blaue Licht vom Display hat den dunklen Flur zur Küche erhellt, weil ich ständig nachsehen musste, ob es ihm gut geht.
Seitdem weiß ich: Isolation ist nicht dasselbe wie Selbstständigkeit. Ein Welpe, der gerade erst im Tierschutz war, braucht am Anfang eher mehr Nähe, nicht weniger — das Körbchen darf ruhig neben dir stehen, bevor es irgendwann seinen eigenen Platz im Zimmer bekommt. Ob er dabei auch durchschläft, ist übrigens nochmal eine ganz andere Geschichte für sich.
Woran merkst du, dass die Gewöhnung wirklich anschlägt?
Ein gutes Zeichen kam bei uns nicht abends im Körbchen, sondern mitten auf einem ganz normalen Spaziergang im Rosenthal-Park. Mitten auf dem Weg, ganz ohne Leckerli in der Hand, hat er sich einfach hingesetzt und mich angeschaut, als würde er auf mein „Weiter" warten. Kein Trick, kein Bestechungs-Leckerli. Er hat einfach mitgedacht. In dem Moment war mir klar: Die Ruhe, die wir uns beim Körbchen erarbeitet haben, überträgt sich auch auf andere Situationen.

Zuverlässiger als jede Uhrzeit ist für mich inzwischen seine Körpersprache geworden. Hechelt er entspannt statt hektisch und legt er sich von selbst mit einem Seufzer hin, dann ist er bereit fürs Körbchen. Erzwingen bringt an diesem Punkt gar nichts.
Was tun, wenn er das Körbchen nur wegen des Leckerlis betritt?
Am Anfang war genau das unser Problem: Leckerli vor die Nase halten, er trottet rein, frisst und ist in der Sekunde, in der ich mich wegdrehe, schon wieder auf der Decke. Das Leckerli allein reicht nicht. WANN du es gibst, macht laut meinem Kurs den entscheidenden Unterschied.
Was bei uns gekippt ist: Sobald nicht mehr das Reingehen belohnt wurde, sondern das Bleiben, auch nur für zwei, drei Sekunden länger als sonst, hat sich das Muster langsam gedreht. Klingt nach einer Kleinigkeit, war aber der Unterschied zwischen ewigem Kreislauf und echtem Fortschritt.
Zahnwechsel und Hundebox nebenher meistern
Genau in dieser Phase hat er auch angefangen, alles anzuknabbern, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Falls dich das gerade auch trifft, hab ich meine Erfahrungen zum Thema Welpe im Zahnwechsel aufgeschrieben.
Eine Box hat uns außerdem geholfen, in der kleinen Wohnung überhaupt eine räumliche Trennung zu schaffen, ohne dass er sich verlassen fühlt. Das Alleinbleiben an sich zu trainieren ist nochmal eine ganz eigene Baustelle, aber die Box war für uns der erste Schritt dahin. Wie das bei uns lief, steht in meinem Text zu Welpe an die Hundebox gewöhnen.
Zwei weitere Kurse, die mir nebenher geholfen haben
Neben dem Kurs zur emotionalen Sicherheit habe ich mir aus reiner Verzweiflung auch den Online Hundeschule Welpenkurs angeschaut. Mit seinen 57 Lektionen ist er eher ein Nachschlagewerk als ein roter Faden, aber genau das macht ihn praktisch, wenn er wieder mal ein neues, bizarres Verhalten zeigt.
Für die ersten Wochen nach dem Einzug fand ich außerdem den Traumhundgenerator hilfreich, weil er über zwölf Wochen läuft und jeden Tag eine kleine Aufgabe schickt, statt mich mit allem auf einmal zu erschlagen.
Geduld, Puppy Blues und der Studialltag gehören zusammen
Geduld brauchst du übrigens nicht nur beim Körbchen. An der Leine zieht er teilweise immer noch wie ein kleiner Traktor, dazu hab ich extra etwas zu Welpe beißt in die Leine geschrieben.
Niemand in meinem Freundeskreis versteht wirklich, was Puppy Blues bedeutet, wenn man selbst keinen Hund hat. Eine Freundin aus dem Studium, die ständig Konzerte im Werk 2 fotografiert, hat neulich nur gefragt, warum ich schon wieder so übernächtigt aussehe. Für sie ist eine durchtanzte Nacht Erholung, für mich ist Schlafmangel gerade der Normalzustand. In der Bibliothek sitze ich über der Hausarbeit und merke, dass mein Kopf nur zu Hause beim Welpen ist, während meine Kommilitonen über die nächste Prüfungsphase stöhnen. Zwei völlig verschiedene Arten von Erschöpfung, die von außen komplett gleich aussehen.
Wenn du gerade an genau diesem Punkt bist, an dem du dich fragst, ob du dem überhaupt gewachsen bist: Atme durch. Überfordert sein gehört dazu, gerade mit einem Tierschutz-Welpen, der oft eigene Themen mitbringt. Für mich war der Kurs Lass das Glück einziehen der Punkt, an dem ich verstanden habe, dass wir erst eine emotionale Basis brauchen, bevor das mit dem Körbchen überhaupt klappen kann.
Irgendwann schlafen sie alle freiwillig in ihrem eigenen Bett — hoffentlich nicht ausgerechnet auf deinem Kopfkissen.