Welpen beschäftigen in der Wohnung: 5 ruhige Spiele für die Auslastung

Welpe entspannt auf einer Decke neben einer selbstgebauten Schnüffelbox – ruhiges Indoor-Spiel für die Wohnung gegen Puppy Blues

Ein müder Welpe und ein ruhiger Welpe sind zwei völlig verschiedene Zustände – auch wenn beide am Ende auf dem Boden liegen. Genau diese Verwechslung macht Welpentraining in der Wohnung für so viele von uns zur Katastrophe, mich eingeschlossen. Wer bei Puppy Blues und Dauerknabberei glaubt, der Welpe brauche einfach nur mehr Auspowern, dreht einen übermüdeten Hund erst richtig auf. Und genau da fangen die wirklich lauten Abende an.

Der Irrtum beim Welpentraining: Warum Action drinnen nach hinten losgeht

Alle in meinem Freundeskreis raten dasselbe: länger spazieren gehen, öfter den Ball werfen, dann wird er schon müde. Klingt logisch. Ist bei einem jungen Welpen aber fast immer falsch. Sein Nervensystem kann Reize noch nicht gut abbauen – er wird durch Action nicht ruhiger, sondern aufgekratzter. Das habe ich lange nicht verstanden, obwohl ich es jeden Abend an mir selbst beobachten konnte: Kissen zerlegt, durch den Flur gerast, an meinen Füßen geknabbert. Nicht, weil er ein schlechter Hund war. Weil ich ihn hochgepusht habe, statt ihn runterzuholen.

Svenja, meine Studienfreundin, hat mir das mal am Telefon in einem Satz erklärt: Ein Welpe, der tobt, übt gerade nur eins – noch mehr toben. Auf meine Panik-Sprachnachricht kurz vor Mitternacht hat sie übrigens innerhalb von Minuten geantwortet, wie eigentlich immer, egal wie spät.

Kauartikel habe ich ihm in dieser Phase reihenweise hingehalten, in der Annahme, Kauen beruhigt automatisch. Einen nach dem anderen hat er zerfressen und ist danach TROTZDEM schnurstracks zur Fernbedienung marschiert. Kauen allein macht also noch keinen ruhigen Welpen – es kommt darauf an, WAS die Beschäftigung mit seinem Erregungslevel macht, nicht nur darauf, dass seine Zähne gerade beschäftigt sind.

Was macht einen Welpen wirklich ruhig?

Der Unterschied liegt nicht im Spielzeug, sondern im Tempo. Schnüffeln, Suchen und kurze Konzentrationsaufgaben fahren das System runter, während Rennen, Zerren und Werfen es hochfahren – selbst wenn der Welpe danach k.o. wirkt.

Erschöpft ist nicht dasselbe wie entspannt.

Beschäftigung, die wirklich runterfährt statt hochzudrehen, sieht komplett anders aus als Toben im Flur: eher wie Nachdenken als wie Sport. Deshalb sind das hier meine fünf liebsten Wege, um an Regentagen in einer kleinen Wohnung nicht alle verrückt zu machen.

Die Schnüffel-Box als Kissen-Rettung

Ein alter Karton, zerknülltes Zeitungspapier oder ausrangierte Socken, ein paar Leckerlis dazwischen versteckt – fertig ist die Schnüffel-Box. Nach spätestens zehn Minuten Suchen ist er platter, als nach einer ausgiebigen Runde draußen, und meistens schläft er danach einfach ein, statt sich das nächste Kissen vorzunehmen. Wer gerade auch mit einer Knabber-Phase kämpft, findet in meinen 5 Soforthilfe-Tipps gegen zerstörte Möbel ein paar Ideen, die bei uns tatsächlich geholfen haben.

Leckerlis verstecken, Nase arbeiten lassen

Fast genauso simpel ist das Leckerli-Suchspiel im Wohnzimmer: Er wartet kurz im Flur, ich verstecke Futterstückchen auf seiner Augenhöhe – hinter dem Stuhlbein, am Teppichrand, unter der Sofaecke – und dann darf er los. Seine Nase arbeitet, sein Kopf arbeitet mit, und man sieht förmlich, wie es drinnen rattert.

Der Hand-Touch als Fokus-Trick

Beim Hand-Touch geht es nur um Fokus: flache Hand hin, sobald die Nase sie berührt, gibt es Lob und ein Leckerli. Klingt nach nichts, ist für einen Welpen, der sonst nur Augen für Schnürsenkel oder eben die Fernbedienung hat, echte Konzentrationsarbeit. Zwei, drei Minuten reichen meistens, dann ist er mental fertig.

Wichtig dabei ist das Timing: Das Lob muss im exakten Moment der Berührung kommen, nicht eine Sekunde später, sonst belohnt man eher Zufall als Verhalten. Gelernt haben wir das aus meinem Online Welpenkurs, auch wenn ich am Anfang nicht verstanden habe, warum so eine Kleinigkeit einen eigenen Namen braucht.

Becher vertauschen, Geduld trainieren

Drei ausgewaschene Joghurtbecher reichen fürs Hütchenspiel – unter einen kommt ein Leckerli, kurz vertauschen, er zeigt, wo es steckt. Am Anfang hat er die Becher einfach nur umgeworfen. Mittlerweile wartet er tatsächlich einen Moment ab, bevor er losstürmt, was ziemlich genau die Impulskontrolle trainiert, an der es bei den meisten jungen Welpen noch hakt.

Die Decke wird zur Pause-Zone

Die Decken-Übung ist eigentlich kein Spiel, sondern reines Nichtstun mit Struktur: Decke auslegen, und sobald er sich draufsetzt oder -legt, passiert nichts, außer dass ab und zu ein Leckerli kommt, solange er ruhig bleibt. Anfangs war das ein Kampf, er wollte die Decke fressen, schütteln, darauf rumhüpfen.

Heute erkenne ich an seiner Körperhaltung schon von Weitem, ob er überhaupt in der Verfassung ist, sich hinzulegen, oder ob vorher noch eine Runde Schnüffelbox nötig ist.

Nichtstun ist auch Training

Was mir vorher niemand gesagt hat: Das eigentlich wichtigste Training in der Wohnung ist das Nichtstun. Man fühlt sich schlecht, wenn der kleine Kerl da liegt und man denkt, man müsste ihn unterhalten. Wer ihn aber den ganzen Tag bespaßt, zieht sich einen kleinen Junkie heran, der immer mehr fordert – ungefähr wie in der Prüfungsphase, wenn noch mehr Pauken irgendwann nicht mehr hilft, sondern nur noch Kopfschmerzen bringt.

Jana, die ich fast jeden Morgen im Clara-Zetkin-Park treffe, hat dafür nie viele Worte gebraucht. Ihr älterer Retriever ignoriert meinen Welpen konsequent, was ihn anfangs fast wahnsinnig gemacht hat. Auf meine Frage, ob das nicht gemein sei, kam nur: Er muss lernen, dass nicht jeder Reiz eine Reaktion braucht. Mehr Erklärung gab es nicht, aber sie hatte recht.

Inzwischen wache ich manchmal morgens auf, und er liegt einfach ruhig neben dem Bett, statt sofort zu quengeln. Das erste Mal, dass ich am Stück durchgeschlafen habe, seit er bei uns eingezogen ist, ist mir noch lebhaft in Erinnerung. Ob er nachts durchschläft, hat allerdings nochmal andere Gründe als die Beschäftigung tagsüber und ist eher ein Thema für sich.

Wenn er heute anfängt, an meinen Füßen oder Schnürsenkeln zu knabbern, weiß ich inzwischen: Er ist nicht unterfordert, er ist einfach drüber. Dann gibt es keine Extra-Runde Action, sondern eine Suchrunde in der Box oder fünf Minuten auf der Decke. Und falls dich neben dem Beschäftigen gerade eher die generelle Erschöpfung durch Puppy Blues umtreibt: Das ist nochmal ein eigenes Kapitel, aber es hilft schon, wenn wenigstens der Alltag drinnen ruhiger wird. Mehr Struktur bekam ich über die Erziehungsgrundlagen aus meinem Online-Programm, ohne die dieser Wohnungsalltag vermutlich nochmal chaotischer gelaufen wäre.