Welpe an das Autofahren gewöhnen: Tipps für entspannte Fahrten ohne Stress

Welpe an das Autofahren gewöhnen: Tipps für entspannte Fahrten ohne Stress

Fünf Meter. Mehr hat unser geliehenes Carsharing-Auto nicht gebraucht, um jeden gut gemeinten Ratschlag zum Autofahren mit Hund zunichtezumachen, den ich vorher irgendwo aufgeschnappt hatte. Kaum rollten die Reifen los, kam die Leberwurst wieder hoch, mit der ich meinen Welpen Minuten davor im stehenden Wagen gefüttert hatte, auf Anraten von gefühlt jedem zweiten Ratgeber zum Welpentraining. So beginnt bei uns fast jedes neue Kapitel im Puppy Blues: mit einem Plan, der auf dem Papier super aussieht.

Mein Kopf hatte sich das Ganze deutlich ästhetischer vorgestellt: Sonnenbrille, ein ruhiger Welpe auf dem Beifahrersitz (was übrigens auch nicht erlaubt ist, das musste ich erst nachschlagen), Sonnenuntergang. Die Realität sah anders aus: ein schreiender Welpe im Fußraum, der Geruch von Angstpipi im Polster, und ich mittendrin, gleichzeitig am Steuer und am Beruhigen. Es funktionierte nicht. Gar nicht.

Als Studentin in Leipzig besitze ich kein eigenes Auto, denn ich bin auf Carsharing angewiesen, was das Training nicht leichter macht. Bevor der Wagen überhaupt in Sicht ist, muss ich erstmal drei Stockwerke ohne Aufzug runter, den Welpen auf dem Arm oder an der viel zu kurzen Leine, und dann noch drei Straßen weiter nach Reudnitz. Trainiert haben wir trotzdem, spätestens seit der erste Tierarztbesuch mit dem Welpen anstand und klar wurde, dass eine Straßenbahn mit panischem Welpen keine Option ist.

Der Puppy-Blues-Mythos vom Fressen im stehenden Auto

Überall liest man den gleichen Tipp: Füttere deinen Welpen im geparkten Auto, dann verknüpft er es positiv. Klingt logisch. Bei uns hat es fast alles ruiniert.

Ich saß mit ihm im stehenden Wagen, habe Leberwurst in ihn hineingestopft, mich richtig stolz gefühlt, und dann sind wir tatsächlich losgefahren. ER HAT ALLES WIEDER AUSGEKOTZT.

Was danach geholfen hat, war schlicht: weniger. Seit diesem Tag gibt es rund zwei Stunden vor jeder längeren Fahrt kein Futter mehr, so hart das auch klingt, wenn er dich dabei ansieht, als würdest du ihm etwas Schreckliches antun. Die Polster und meine Nerven haben es mir gedankt.

Mehr Fahrten bringen nicht automatisch mehr Ruhe

Der zweite Irrglaube, dem ich aufgesessen bin: einfach oft genug mitfahren, dann gewöhnt er sich schon dran. Genau umgekehrt war es. Je öfter wir überstürzt losgefahren sind, desto unruhiger wurde er.

Funktioniert hat am Ende eine kleine Gewöhnungstreppe, im Grunde genau das Prinzip, das schon beim Gewöhnen an den Staubsauger klappt, nur eben aufs Auto übertragen: Motor aus, einsteigen, kurz sitzen, wieder aussteigen. Dann Motor an, ein paar Sekunden stehen bleiben, wieder aus. Erst danach einmal um den Block, nicht weiter. Kein Sprung, nur Stufen.

Und wenn er jault, und er wird jaulen, halte ich nicht sofort an, um ihn rauszunehmen. Das bestätigt ihm nur, dass Jaulen der Ausweg ist. Erst wenn kurz Ruhe ist, kommt die Belohnung. Bei fast allem, was wir ihm beibringen, merke ich, wie sehr es auf genau diesen Moment ankommt, nicht nur auf das, was man tut.

Sicherung im Auto ist keine Nebensache

Wir haben in den letzten Monaten mehr über Ladungssicherung gelernt als in meinem ganzen bisherigen Leben davor. Hunde gelten im Auto rechtlich als Ladung, das steht so in der Straßenverkehrs-Ordnung, ohne dass ich hier jeden Paragrafen durchgehen will. Mir hat gereicht zu wissen: ungesichert ist keine Option, auch nicht auf der kurzen Strecke zum Briefkasten.

Nahaufnahme eines Sicherheitsgurtes für Hunde, der im Auto eingerastet wird.

Eine faltbare Stoffbox, die sich ins Carsharing-Auto wuchten lässt, hat uns den Anfang leichter gemacht, denn sie nimmt ihm die Sicht auf die vorbeirasende Welt draußen und damit einen Großteil der Reize. Das metallische Klicken der Anschnallschnalle am Geschirr, gefolgt von seinem tiefen, erleichterten Seufzer, wenn er sich endlich hinlegt, ist inzwischen mein liebstes Geräusch im Auto. Es heißt: wir sind bereit.

Eine junge Studentin blickt erleichtert auf ihren schlafenden Welpen im Kofferraum.

Kleine Fortschritte, die zählen

Neulich an der Haustür ist mir noch etwas anderes aufgefallen, das nichts mit dem Auto zu tun hat und trotzdem alles: Er saß einfach da und schaute mich an, bevor ich die Tür aufgemacht habe. Sonst wäre er längst die Treppe runtergestürmt. Ich habe eine Sekunde gebraucht, um zu merken, dass das kein Zufall war.

Nicht alles lässt sich so einfach lösen. Kauartikel nach Kauartikel habe ich ihm hingehalten, damit er endlich von der Fernbedienung lässt, denn er hat sie reihenweise zerlegt und danach trotzdem wieder nach der Fernbedienung gegriffen. Genau in so einer Phase hat mich meine Freundin Svenja angerufen, die selbst einen Hund hat, und mir erzählt, sie wäre mit ihrem damals auch fast so weit gewesen aufzugeben. Das half an dem Abend mehr als jeder Trainingstipp.

Autofahrten gehören für mich inzwischen einfach zu der Phase, in der ein Welpe die Welt kennenlernen soll, ähnlich wie Baumärkte oder Cafés, nur eben mit Motorengeräusch statt Kassenpiepen.

Wenn nach einer holprigen Fahrt gar nichts mehr hilft, hat er oft direkt danach seine wilden 5 Minuten, denn das Durchdrehen kommt bei uns fast zuverlässiger als jede Ampel auf dem Weg.

Letztes Wochenende sind wir zum ersten Mal wirklich entspannt zum Cospudener See gefahren. Kein Jaulen, kein Erbrechen, nur ein Welpe, der nach der Ankunft aus dem Kofferraum sprang, als wäre das nie ein Problem gewesen. Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass sich die vielen kleinen Zwischenschritte am Ende ausgezahlt haben.

Was wir bis heute noch üben

Ganz fertig sind wir nicht, denn er kaut nach wie vor am Sicherheitsgurt, sobald er kurz unbeobachtet ist, das Thema bleibt also offen. Für die ruhigeren Minuten zwischen den Autofahrten schaue ich mir gerade an, wie ich den Welpen zur Ruhe kommen lassen kann, wenn eigentlich Prüfungsstoff ansteht, das ist gerade die nächste Baustelle. Aber das Auto, das schaffen wir mittlerweile. Der Rest kommt.

Falls du gerade an dem Punkt bist, wo jede Fahrt nach Drama aussieht: bei uns hat vor allem eins geholfen. Kleiner werden bringt mehr als mutiger werden.