Welpe Sitz und Platz beibringen: Tipps für das erste Training im neuen Zuhause

Welpentraining Sitz und Platz: Welpe lernt beim ersten Training in der Wohnung

Mein Welpe setzt sich inzwischen von selbst hin, sobald meine Hand Richtung Leckerlidose wandert – kein Kommando nötig, kein Locken, einfach so.

Vor ein paar Wochen hätte ich das für ausgeschlossen gehalten. Ich bin Lehramtsstudentin, ich hatte null Ahnung von Hundeerziehung, und mein kleiner Tierschutzwelpe hat mich am Anfang komplett überrannt – das, was alle nur beiläufig „Puppy Blues" nennen, als wäre es eine Randnotiz und nicht ein ganzer Zusammenbruch auf der Küchentreppe. Welpentraining hat sich am Ende nicht als das Problem rausgestellt. Es war eher die Lösung, und als absolute Ersthundebesitzerin hätte ich das nie erwartet.

Sitz und Platz sind unsere einzige gemeinsame Sprache

Anfangs dachte ich, Sitz und Platz sind nur Tricks für den Park, damit andere Leute beeindruckt gucken. Nach ein paar Wochen im totalen Chaos hab ich kapiert: Es ist unsere einzige gemeinsame Sprache. Wir haben keine Worte füreinander, nur diese kleinen Signale. Mein Tierschutzwelpe weiß schließlich nicht von selbst, dass die Fernbedienung kein Kauspielzeug ist (ER HAT SIE SCHON WIEDER, während ich das hier tippe).

Hand mit Leckerli nah an der Nase eines Tierschutzwelpen beim Sitz-Training

Einmal hab ich verzweifelt im Forum unserer WG gepostet, mitten in der Nacht, weil ich einfach nicht mehr weiterwusste mit dem Training und dem ganzen Rest. Die einzige Antwort, die kam: „Gib ihn halt zurück." Das war's. Kein Trost, kein Tipp, nichts. Seitdem frage ich lieber niemanden mehr, der selbst noch nie einen Welpen großgezogen hat.

Meine Freundin Carolin aus der Heimat schickt mir dafür wenigstens Videos – meistens kurz nach Mitternacht, irgendein tanzender Hund oder sowas, genau dann, wenn ich sowieso schon wach liege, weil der Kleine unruhig ist. Sie versteht Hunde nur theoretisch, aber sie versucht es wenigstens, und das zählt gerade mehr, als ich vorher gedacht hätte.

Kurzes Training bringt mehr als eine ganze Stunde

Ich wollte am Anfang alles auf einmal, gleich eine ganze Stunde am Stück, bis er es endlich kapiert. Totale Katastrophe. Nach ein paar Minuten war sein Kopf komplett weg, er hat an seinen Pfoten geknabbert oder ist einfach abgehauen, um am Teppich zu schnüffeln. Ich musste lernen: Sobald die Aufmerksamkeit kippt, ist die Session vorbei. Sofort. Kein Nachdrücken mit noch mehr Leckerlis, das frustriert am Ende nur uns beide und bringt gar nichts.

Verstreute Leckerlis auf dem Flurboden nach einem chaotischen Trainingsmoment mit dem Welpen

Der Abend mit der explodierten Leckerlitüte

Es war ein zäher Nachmittag, seminar-müde, Knie wund vom Knien auf dem Boden, meine Finger klebrig von der Leberwurst. Seine kalte Nase stupste ungeduldig gegen meine Handfläche, immer wieder, während ich endlich „Platz" hinbekommen wollte.

Dann ist es passiert: Ich griff nach einem neuen Leckerli, blieb am Beutel hängen, und der komplette Inhalt kippte quer über den Flur. Er drehte völlig durch, jagte wie ein Irrer hinter den Leckerlis her, und ich saß mittendrin und heulte. Klassischer Zusammenbruch, mal wieder.

Er wartete.

Da hab ich verstanden, dass ich aufhören muss zu befehlen. Ich muss einladen, nicht anordnen. Aus „Du machst das jetzt" wurde „Schau, was wir zusammen hinkriegen". Seitdem achte ich viel mehr darauf, was er mir eigentlich sagen will, und wer sich näher mit der Körpersprache deines Hundes beschäftigt, merkt schnell, wie viel ein Welpe eigentlich schon vorher sagt, bevor er überhaupt etwas tut.

Welpentraining zwischen Hausarbeit und WG-Küche

Inzwischen sind wir bei Woche zwölf, und das Training läuft meistens einfach zwischendurch: drei Minuten Sitz in der Küche, während die Nudeln kochen, dann weiter mit der Hausarbeit.

Am Montag hab ich zwanzig Minuten am Stück an einem Absatz weitergeschrieben, und er hat nicht einmal gejammert – einfach nur neben mir im Körbchen gelegen, als wäre das schon immer so gewesen.

Erschöpfte Ersthundebesitzerin sitzt neben ihrem Welpen auf dem Küchenboden nach dem Training

Wenn wir rauskönnen, gehen wir oft ein kurzes Stück am Karl-Heine-Kanal in Plagwitz entlang, bevor wir dort üben, aber wirklich nur kurz. Ich pass genau auf, wie lange wir mit dem Welpen spazieren gehen, sonst ist er hinterher so überdreht, dass an Sitz oder Platz gar nicht zu denken ist.

Meine Nachbarin Klara, die im zweiten Stock mit ihrem Labrador wohnt, hat mir letzte Woche ein Kauspielzeug geliehen, weil meins mal wieder irgendwo unter dem Sofa verschwunden war. Sie erinnert sich noch genau an ihre eigenen chaotischen ersten Wochen und sagt, das hier sei nur eine Phase – auch wenn sich das gerade selten so anfühlt.

Was ich als Ersthundebesitzerin am längsten falsch gemacht hab: zu spät belohnt. Nicht in dem Moment, in dem er sich hinsetzt, sondern erst, wenn er schon wieder aufsteht und mich erwartungsvoll anschaut – dann lernt er nämlich eher „Aufstehen bringt Leckerli" als „Sitz bringt Leckerli".

Seit ich genau in der Sekunde belohne, in der sein Hintern den Boden berührt, klappt es spürbar öfter. Das ist der eine Trick, den ich wirklich mitgeben kann: Nicht das Kommando entscheidet, sondern der exakte Moment danach.

Wir sind immer noch zwei Fremde, die gerade lernen, ein Team zu werden, mitten in einer Leipziger WG-Küche, die nach Hundeshampoo und Leberwurst riecht. Falls du auch gerade auf dem Boden sitzt und dich fragst, warum „Platz" einfach nicht klappen will: Leckerlis weglegen, kurz durchatmen, eine Runde kuscheln, falls gerade nicht gebissen wird. Morgen ist wieder ein Trainingstag.