
Mein Mischling wiegt inzwischen zwölf Kilo, und ich trage ihn trotzdem noch jede einzelne Treppenstufe hoch. Beim Treppensteigen mit Hund hört man ständig denselben Satz: „Lass ihn doch laufen, der hat doch Beine." Als Halterin eines Tierschutz-Mischlings in einer Altbauwohnung in Leipzig-Gohlis, drittes Obergeschoss, ohne Aufzug, höre ich diesen Satz gefühlt ständig – meistens von Nachbarn, die noch nie versucht haben, einen zappelnden Welpen UND eine Aktentasche gleichzeitig drei Etagen hochzubekommen. Aber genau dieser gut gemeinte Rat ist der Grund, warum ich diesen Text schreibe: Er ist schlicht falsch, und er hat mit echter Welpen-Gesundheit nichts zu tun.
Kurzer Fakten-Check, bevor wir tiefer einsteigen: Ich bin 27, studiere Lehramt und habe mir nach langem Zögern einen Tierschutz-Mischling geholt. Keine Hundetrainerin, keine Tierärztin – nur eine Studentin, die gerade lernt, mit einem Welpen zusammenzuleben. Und genau deshalb nervt mich dieser eine Mythos übers Treppensteigen mit Hund so sehr.
Der Mythos: Ein Welpe muss allein Treppen laufen lernen
Der Mythos hält sich hartnäckig: Ein Welpe müsse von Anfang an lernen, Treppen selbst zu bewältigen, sonst werde er ängstlich oder bleibe schwach. Das Gegenteil ist der Fall. Es geht beim Tragen nicht um Verwöhnen, sondern um Schutz in einer Phase, in der sein Körper schlicht noch nicht so weit ist.
Eine Nachbarin aus dem Hochparterre hat mir das genau so erklärt, als ich schnaufend an ihrer Tür vorbeikam – und ich hätte ihr am liebsten die vollgesabberte Leine in die Hand gedrückt. GENAU DAS ist das Problem: Für Außenstehende sieht Tragen nach Übertreibung aus. Für den Welpen ist es der Unterschied zwischen einem entspannten Alltag und einem Sturz auf glattem Holz.
Warum Welpen-Gesundheit beim Treppensteigen mit Hund so heikel ist
Der Grund ist simpel: Welpen sollten keine langen Treppenabschnitte selbstständig laufen, weil Knochen und Gelenke noch nicht ausgereift sind. Ein kurzer Flur ist völlig in Ordnung. Aber unsere Treppe im Altbau ist steil, uneben und stellenweise glatt vom alten Holz – und genau da hört der Spaß auf. Längere Treppen sollte man tragen oder komplett meiden, solange der Welpe noch so klein ist.
Vor Kurzem habe ich es trotzdem ausprobiert. Die letzten drei Stufen, dachte ich, schafft er allein. Ich setzte ihn ab, er machte einen Satz, rutschte auf dem glatten Holz weg und jaulte kurz auf – zum Glück unverletzt, aber mir sackte das Herz in die Kniekehlen. Ich habe sofort eine Panik-Sprachnachricht an Svenja geschickt, meine Studienfreundin, die selbst einen Hund hat und als eine der wenigen Personen in meinem Umfeld wirklich versteht, was Puppy Blues bedeutet. Sie hat innerhalb weniger Minuten geantwortet, obwohl es schon spät war, und mir gesagt, dass genau dieser eine Rutscher reicht, um wieder konsequent zu tragen.

Was bei mir NICHT funktioniert hat
Nicht jede Methode, die im Internet kursiert, hilft wirklich. Ich habe ihm eine alte Wolldecke mit meinem Geruch ins Körbchen gelegt, in der Hoffnung, dass er sich dadurch sicherer fühlt und ruhiger wird, bevor wir wieder die Treppe nehmen. Ergebnis: Er hat die Decke binnen einer Minute in Fetzen zerlegt und danach trotzdem am Treppengeländer geknabbert. Manche gut gemeinten Tipps sind einfach Unsinn – oder zumindest nichts für meinen speziellen Dickkopf.
Was mir dagegen wirklich geholfen hat, war weniger ein Trick als eine Portion Geduld – die ich mir unter anderem im Grundkurs Ein neuer Hund abgeschaut habe. Desiree Scheller erklärt dort ruhig, dass langsames Tempo kein Rückschritt ist, sondern der Plan. Man will alles sofort perfekt haben: Rückruf, Leinenführigkeit, und eben auch das selbstständige Treppensteigen. Aber beim Welpen ist Geduld gerade das wichtigste Fach, das ich gerade belege.
Ab wann darf er wirklich allein die Stufen nehmen?
Stechender Schmerz im unteren Rücken ist inzwischen mein ständiger Begleiter, vor allem wenn ich zwischen zwei Seminaren schnell noch mit ihm raus muss. Trotzdem schaue ich mir dabei seine Körpersprache an, weil er mir damit ziemlich genau zeigt, wann er unsicher ist und wann er einfach nur ungeduldig ist.
Die schwereren Tage – wenn Rücken UND Nerven gleichzeitig streiken – fange ich inzwischen anders auf. Ich nutze dafür den Kurs Lass das Glück einziehen, in dem Mirjam Cordt ausführlich auf Überforderung und die Bewältigung von Puppy Blues eingeht. Laut DigiStore24-Statistik liegt die Rückgabequote bei diesem Kurs bei nur rund 3 Prozent – für mich ein kleines Indiz, dass ich mit dem Gefühl nicht allein bin.

Grob gilt: Je jünger, desto konsequenter tragen – besonders bei steilen oder glatten Stufen. Irgendwann, wenn er größer und sicherer auf den Pfoten ist, darf er auch mal einzelne Stufen selbst nehmen – kontrolliert und an der Leine. Mehrere Stockwerke am Stück bleiben aber tabu, solange er noch so klein ist. Einiges davon habe ich mir aus den 57 Lektionen im Online Hundeschule Welpenkurs zusammengesucht, auch wenn nicht jede einzelne Lektion zu unserer Situation im Altbau passt.
Treppensteigen ist für ihn außerdem geistige Schwerstarbeit, nicht nur Muskelkram. Jede Pfote muss einzeln koordiniert werden, während sein Gehirn nebenbei noch hundert andere neue Dinge verarbeitet. Zwischen einer Hausarbeit und der nächsten Prüfungsphase vergesse ich das selbst oft – genau wie bei Themen wie Autofahren, wo sein kleines Gehirn schon vor der ersten Kurve komplett überfordert ist.
Zwischen Hausarbeit und Gassi-Runde: unser Alltag im Altbau
Auf dem Völkerschlachtdenkmal-Gelände laufe ich mit ihm inzwischen fast jeden Tag eine Runde, sobald die Treppen geschafft sind. Dort lief mir neulich Jana über den Weg, die mit ihrem älteren Hund unterwegs war, und meinte nur trocken: „Trag ihn ruhig weiter, das hat noch keinem Welpen geschadet." Keine große Erklärung, aber genau die Art von nüchternem Zuspruch, die ich in dieser Phase brauche.
Gestern Abend jagte er eine leere Chipstüte quer durchs Wohnzimmer – das Rascheln klang wie ein kaputtes Akkordeon – und ich habe zum ersten Mal wieder gelacht statt zu heulen. Solche Momente reichen mir gerade als Beweis, dass ich das hier nicht komplett falsch mache.
Trag ihn – so lange du kannst
Der Mythos, dass ein Welpe von Anfang an allein Treppen laufen muss, hält sich hartnäckig – aber er stimmt einfach nicht. Die einzige Regel, die wirklich zählt: kurze Flure sind okay, lange oder rutschige Treppen werden getragen, bis der Welpe alt genug ist. Alles andere ist Bequemlichkeit der Erwachsenen, nicht Rücksicht auf den Hund.
Ja, mein Rücken beschwert sich fast täglich. Ja, manche Nachbarn schütteln weiter den Kopf. Aber ich stelle mir lieber vor, dass mein Mischling in ein paar Jahren schmerzfrei über das Völkerschlachtdenkmal-Gelände rennen kann, als dass ich jetzt ein paar Etagen spare.
Falls du gerade selbst mit einem Welpen im Altbau kämpfst und dir die immer gleichen Ratschläge von Leuten begegnen, die noch nie drei Stockwerke mit zwölf Kilo Hund auf dem Arm gestemmt haben: Der Grundkurs Ein neuer Hund nimmt genau diesen Druck raus. Er ist entschleunigt, ehrlich einsteigerfreundlich – und erinnert mich jedes Mal daran, dass ich nicht perfekt sein muss, nur konsequent. Stufe für Stufe.