Welpe schläft nicht durch: Strategien für ruhige Nächte im neuen Zuhause

Überarbeitet
Müder Tierschutzhund-Welpe kurz vorm Einschlafen im Körbchen, Sinnbild für gestörten Welpen-Schlaf

Neles Nudeltopf steht seit zwei Tagen kalt auf dem Herd, mein Tierschutzhund dagegen hat seit zwei Nächten kaum mehr als eine Stunde am Stück geschlafen – und ganz ehrlich, nur eins von beidem bringt mich wirklich an meine Grenzen. Welpen-Schlaf ist gerade so ziemlich das einzige Thema, über das ich noch sprechen kann, seit der Puppy Blues bei mir eingezogen ist wie eine ungebetene Mitbewohnerin. Mein Studentenleben mit Hund sieht momentan so aus: Karteikarten in der einen Hand, ein japsender Welpe an der anderen, dazwischen ständig die Frage, ob ich jemals wieder eine ganze Nacht durchschlafe.

Seit ich in unserem Online-Welpenkurs offen darüber geschrieben habe, wie kaputt ich bin, häufen sich bei mir dieselben Fragen – von anderen frischgebackenen Hundemenschen, die genauso hohlwangig durch ihre Wohnung schleichen wie ich. Hier sind die Antworten, so ehrlich ich sie eben geben kann, ohne mir irgendeine Zahl aus den Fingern zu saugen.

Wie viel Welpen-Schlaf ist eigentlich normal – und ab wann wird es zu wenig?

Was bei einem Welpen nach Faulheit aussieht, ist in Wirklichkeit Wachstum in Zeitlupe. Aus dem Kurs weiß ich inzwischen: In den ersten Lebenswochen schlafen Welpen bis zu 18 bis 20 Stunden am Tag, und das ist kein Zeichen von Krankheit, sondern schlicht notwendig, damit Körper und Kopf mit allem hinterherkommen, was tagsüber passiert. Bei mir selbst sieht die Rechnung leider umgekehrt aus. Seit Wochen laufe ich auf Schlafentzug, während er tagsüber wegdöst, sobald ich kurz nicht hinschaue. Zu wenig wird es erst dann wirklich, wenn er auch tagsüber kaum zur Ruhe kommt – dann ist das kein Trotz, sondern ein System, das komplett überreizt ist.

Nachts wach, tagsüber müde: Warum das Aufwachen alle neunzig Minuten kein Zufall ist

Ein übermüdeter Welpe schläft nachts nicht automatisch besser, eher im Gegenteil. Bekommt er tagsüber zu wenig Ruhe, kippt sein System in eine Art Daueralarm, bei dem schon ein Ächzen im alten Holzboden reicht, damit er wieder hochschreckt. Unsere Kursleiterin nennt das eine Stressreaktion über Kortisol – mehr Biologie erkläre ich hier bewusst nicht, weil ich selbst auch nur die Hälfte verstehe und es an der Lösung sowieso nichts ändert. Fakt ist: Ein Welpe mit zu wenig Welpen-Schlaf tagsüber wacht nachts öfter auf, nicht seltener. Deswegen baue ich inzwischen tagsüber feste Ruheinseln ein, statt ihn stundenlang zu bespaßen – eine ruhige Runde ums Connewitzer Kreuz, kurz schnüffeln lassen, dann zurück in die Wohnung und direkt ins Körbchen, ganz ohne großes Programm danach.

Welpe hat mitten in der Nacht ein Buch angeknabbert statt zu schlafen – typische Szene aus dem Studentenleben mit Hund

Das Abendritual, das bei uns tatsächlich funktioniert

Bevor wir zu diesem Ritual gefunden hatten, tobte er abends oft in dem, was ich nur die wilden 5 Minuten nenne, nur dass es bei uns eher fünfzig waren. Inzwischen ist ab acht Schicht im Schacht. Kein wildes Spiel mehr, kein Gerenne durch den schmalen Flur unserer Altbauwohnung in Gohlis.

Drei Dinge machen seitdem den Unterschied. Erstens schläft er nicht mehr frei in der Wohnung, sondern in einem abgetrennten Auslauf direkt neben meinem Bett – eine Box mochte er nicht, der Auslauf mit seinem Körbchen schon, und Hunde beschmutzen ihren direkten Schlafplatz nur ungern. Zweitens mache ich das Licht dunkler und lese meine Skripte, während er nur noch an einem Kauartikel knabbern darf – das beruhigt ihn spürbar mehr als jedes Spielzeug. Drittens bleibt jeder nächtliche Rausgang komplett ereignislos: kein Wort, die Treppen runter, weil er für drei Stockwerke Altbau noch zu klein ist, kurz auf die Wiese, ein geflüstertes 'Fein', und sofort wieder rein. Wie du überhaupt noch zum Lernen kommst, während er nebenbei zur Ruhe finden soll, habe ich separat aufgeschrieben: Welpe zur Ruhe kommen lassen. Und ja, wann und wie du ihn nachts lobst, ist fast wichtiger als tagsüber – aber das ist nochmal ein eigenes Kapitel für sich.

Ruhiger Schlafplatz mit Körbchen und Kauspielzeug als Teil des Abendrituals gegen schlaflose Nächte

Was tun, wenn er nachts aufwacht und anfängt, alles anzuknabbern?

Lange habe ich nur noch laut 'Nein' gerufen, sobald er an der Bettkante oder an meiner Hand herumkaute – hat null gebracht, er fand die Aufregung eher spannend als abschreckend. Was stattdessen half: kurz gar nichts sagen. Einmal hat er mitten in der Nacht meine Hand geknabbert, kurz innegehalten, fast so, als würde er selbst merken, dass da etwas nicht stimmt, und dann von sich aus nach dem Seil neben seinem Körbchen gegriffen. Kein Wort von mir nötig dafür. Wie du ihm generell beibringst, gar nicht erst in Hände oder Finger zu beißen, ist nochmal ein eigenes großes Thema, das hier den Rahmen sprengen würde.

Rückschläge, Puppy Blues und was am Ende trotzdem hilft

Dass er nachts auch mal wieder ins Bett statt auf die vereinbarte Stelle macht, gehört in den ersten Monaten einfach dazu – wie du die Stubenreinheit grundsätzlich angehst, ist wieder ein eigenes Thema für sich. Was mir keiner vorher gesagt hat: Jede durchwachte Nacht drückt den Puppy Blues eine Stufe tiefer, bis irgendwann jede Kleinigkeit zu viel wird.

In der Chatgruppe unseres Online-Kurses hat Tamara Rüdiger genau das neulich in einem Satz zusammengefasst, als sie mitten in der Nacht schrieb, dass sie mit ihrem Pudelmix gerade dasselbe durchmacht. Allein das Wissen, nicht die Einzige zu sein, die nachts wach im Flur steht, hilft mehr, als es eigentlich sollte.

Genau wie beim Thema Leine – Welpe an der Leine war anfangs auch eine Katastrophe, inzwischen klappt es meistens – wächst man auch beim Schlafthema einfach rein. Schlaf wird nicht über Nacht besser. Aber jede etwas ruhigere Nacht macht die nächste ein kleines Stück wahrscheinlicher.